Széchenyi István 1819. ápr. 19-i naplóbejegyzésébõl
Der 19-te April 1819 war ein merkwürdiger Tag in meinem Leben. Nachdem ich, so wie die meisten Menschen ziemlich lang über Gott, unsere Seele, die Unsterblichkeit ect ect ect nachgegrübelt habe, und mehrere Werke über diesen Gegenstand mit einem Jugend Feuer durschgegangen, welches uns von dem, was wir gelehrnt, gewöhnlich in das Excentrische bringt - bin ich endlich, nach vielen hin- und her Wanken - in meinem Innern mit mir überkommen, dass jede Religion - mit dem Bewusstsein unserer Unwissenheit gut ist - wenn wir nur in unsern Handlungen und Grundsätzen - uns durch keine Illusionen, Falschen Principien und Sophismen verleiten lassen, sondern der Stimme folgen, die uns die Wahrheit nie verhehlt, nie schmeichlend zu uns spricht, - und wenn des Menschen Herz und Kopf durch Erziehung und Beispiel nicht verwirrt und verwildert wird, was kaum geschehen kann, so ist das der Natur überlassene Kind - von sich selbst immer gewahr ob es gut oder schlecht gehandelt hat. - Alle ehrlichen Leute kommen in der Religion ihres Herzens und ihrer Seele überein - die Formen sind verschieden, wie sie Gott anbethen, einer Barmherzigkeit ergeben, und ihre Seele für die andre Welt zu erretten suchen. [...] Und ist es nicht rührend wenn man bedenkt, dass eine Espéce auf der Erde zerstreut ist, deren Leben eine Reihe von Unglück - und selbst der glücklichste Augenblick nur ein Gemisch von unvollkommner Freude, und eines immer gefühlten Schmerzens ist - und wenn man bedenkt, dass diese Espéce - nur auf ein künftiges Leben hofft - und nachgrübelt und denkt, und nimmer ruht um die Art und Weise zu verstehen - wie es gelingen kann, den Allmächtigen - zur Barmherzigkeit zu bringen - den Schöpfer der Unendlichkeit - zu rühren! - Oft sah ich - am Tages Anbruch die Türken gegen die aufstehende Sonne kniend, inbrünstig und inniglich das höchste Wesen anbethen; wie oft erbaute mich, und erfreute mein Herz - ein gut gemeintes Gebeth - der Khristen. Ich bin wenig in der Welt gewesen, kenne die Menschen kaum. - Alle aber in der Welt - haben eine Religion - den[n] sie drängen sich nach dem Licht - weil sie ganz im Dunkeln sind. [...]
[...] ich hab' eingesehen gelernt, dass man in jeder Laage des Lebens, um glücklich zu sein, ein guter Befreundte, ein guter Freund und ein guter Bürger sein solle - und dass man nebst dem was die innere Stimme einem anrathet - auch die Formen seiner eignen Religion beobachten soll [...]
Meine Religion gebiethet einmal das Jahr wenigstens zu Beichten und das heilige Abendmal zu sich zu nehmen. Ich werde es nie mehr versäumen und will von nun an alles genau, aber ohne scrupeln und nicht übertrieben beobachten - . Das selbe würde ich, in jeder andern Religion geboren und aufgezogen, auchthun - den[n] ich halte die Ceremonien der Völker, die die Sonne anbethen, für eben so gut wie unsere. - Sie müssen etwas anbethen, sie fühlen in ihrer Blindheit und Dummheit, dass etwas über sie schwebt was alles ordnet und belebt, sie sehen es aber nicht, und müssen sich ein Symbol wählen, weil ihre Einbildungskraft nicht so weit gehen kann [...]
In meiner Religion finde ich die Empfindung, sich ganz und gar gedemüthiget zu haben, sublime - und die Glorie diesen Sieg über sich selbst gewonnen zu haben - die angenehmste und reinste moralische Freude, die ein Mensch fühlen kann! Und kann man sich mehr demüthigen, als wenn man einem andern Menschen von geringerm Werth - alle seine Fehler sagt und alle Eitelkeit unterdrückend sich ihm so schlecht und si schwach such zeigt wie man in der That ist - und für was man nicht gerne gehalten würde [...]
(Gróf Széchenyi István Naplói. Szerk. és bevezetéssel ellátta Viszota Gyula. 1. köt. [= Gróf Széchenyi István Összes Munkái, 10. köt.], Budapest: 1925, 591-595.o.)